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Wir streiken jeden Tag für das Klima

Aktualisiert: 10. Dez 2019

Von Chaitanya Sure


Was Anfang dieses Jahres mit jungen Klimaaktivisten begann, die am Freitag nicht in die Schule gingen, um gegen den Klimawandel und seine negativen Auswirkungen zu demonstrieren, hat sich mittlerweile zu einer globalen Bewegung entwickelt. Die Fridays-for-Future-Bewegung ist innerhalb kurzer Zeit so stark gewachsen, dass letzten Freitag, am 29. November 2019, im Vorfeld der Klimakonferenz in Madrid, Hunderttausende Menschen weltweit demonstrierten gingen. Die Aktivisten fordern Politik und Industrie lautstark dazu auf, endlich ernsthafte Maßnahmen für den Klimaschutz einzuleiten. Mit denselben Forderungen rufen die Schüler auch ihre Eltern und Großeltern auf, ihre Arbeitsplätze und Wohnungen zu verlassen und sich dem Streik anzuschließen.


Die Aufrufe werden gehört.


Die Menschen reagieren überwiegend positiv auf das Engagement der Schüler und schließen sich dem Protest an. Die mediale Aufmerksamkeit, die diesem komplizierten Thema durch den Klimastreik der Schüler zuteil wird, ist beispiellos; der damit einhergehende generationenübergreifende Zusammenhalt ist - gelinde gesagt - unglaublich! Zu sehen, wie Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sich nicht nur über dieses so wichtige Thema informieren, sondern auch das Bedürfnis verspüren jetzt zu handeln, freut uns im Team von BUZZN und Isarwatt ungemein. Es stimmt uns hoffnungsvoll, dass es eine Zukunft auf diesem Planeten geben kann, in der sowohl Mensch als auch Umwelt gedeihen können.


Jetzt ist die Zeit für Balance zwischen den Generationen (Quelle: OpenForests)

Durch all diese konstruktive Energie, die die Fridays-for-Future-Bewegung jeden Freitag versprüht, sehen wir uns mit der Frage konfrontiert, ob Unternehmen wie BUZZN oder Isarwatt aktiv an dem Streik teilnehmen und damit möglicherweise unsere Arbeit vernachlässigen sollten. Wir haben uns gefragt, ob Unternehmen wie unsere, die sich für saubere Energiegewinnung und eine nachhaltige Zukunft einsetzen, die Fridays-for-Future-Bewegung in irgendeiner Weise negativ beeinflussen, wenn sie an den Streiks nicht teilnehmen.


Diese knifflige Frage hat uns zum Nachdenken angeregt: Wir haben uns mit den Argumenten der Aktivisten auseinandergesetzt, die uns dazu auffordern sich dem Streik anzuschließen. Ebenso haben wir uns mit den Stimmen beschäftigt, die es für sinnvoller halten, wenn wir freitags unserer Arbeit nachgehen. Intern haben wir uns – durchaus kontrovers – ausgetauscht und abgewogen, bis wir uns unserer Rolle in dieser Bewegung bewusst geworden sind.


Unsere tägliche Arbeit ist unser Streik. Und wir streiken jeden Tag!


Die Aktivisten von Fridays-for-Future fordern, dass gehandelt wird – und zwar jetzt. Diese Forderung ist unserer Meinung nach nicht nur an Politiker oder umweltverschmutzende Industrie gerichtet, sondern auch an Unternehmen wie unsere, die sich mit ihrer Arbeit der Nachhaltigkeit sowie dem Klimaschutz verschrieben haben.

Klimaschutz ist facettenreich. Jeder Beitrag, der dazu geleistet wird, bringt uns dem Ziel ein Stück näher. Unser wichtigster Beitrag ist unsere tägliche „Arbeit“. Sie nimmt für uns einen ähnlich wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert ein, wie beispielsweise die Arbeit eines Arztes oder Journalisten. Mit dem Unterschied, dass wir uns nicht mit Medizin oder Nachrichten beschäftigen, sondern eben mit Energie und Nachhaltigkeit.

Unsere tägliche Arbeit ist unser Streik. Und wir streiken jeden Tag!


Die Aktivisten von Fridays-for-Future fordern echten Klimaschutz und eine Dekarbonisierung der Wirtschaft. Indem wir jeden Tag unserer Arbeit nachgehen, kommen wir diesen Forderungen tatsächlich nach. Wir sind davon überzeugt, dass diese Arbeit auch freitags nicht aufhören darf.

Stefan Erbacher, ein Mitglied des BUZZN Teams der ersten Stunde, hat es in einer Diskussion letzten Monat am besten ausgedrückt: Für ihn stellt jeder Tag, an dem er und sein Team nicht daran arbeiten, den Energiebedarf der Gesellschaft auf nachhaltige Weise zu decken, eine Gelegenheit für große, konventionelle Energieunternehmen dar, Kohle- und Atomstrom zu produzieren und so das Klima zu belasten.


Den konventionellen Energieunternehmen keinen Raum zu lassen stellt für uns das Hauptargument dar, auch am 29. November und während des angekündigten Protests im Zuge des Klimagipfels (2. Dez. 2019 – Fr. 13. Dez. 2019) unsere Arbeit fortzusetzen. Viele unserer Geschäftspartner sowie befreundete Organisationen (z.B. OpenForests, Energiewendeplaner) teilen diese Ansicht.


Wir begrüßen die Bemühungen der Klimaaktivisten aus aller Welt und stimmen ihren Streikabsichten voll und ganz zu. Während am Freitag die Schüler, Eltern und Aktivisten ihren Unmut gegenüber dem Gesetzgeber und der Industrie äußern, besteht unser Streik darin, einen weiteren Tag für eine nachhaltige, saubere Energiezukunft zu kämpfen.


Sie als Leser möchten wir allerdings ermutigen: Schließen Sie sich den nächsten globalen Klimastreiks an. Sorgen Sie dafür, dass Ihre kritische Stimme gehört wird und endlich ernsthafte, zukunftsorientierte Klimapolitik betrieben wird.


Quelle Titelbild: MAZ, 24.05.2019

Link zum englischen Orginal: https://blog.openforests.com/we-strike-for-the-climate-every-day/


Chaitanya Sure:

Umweltschützer

Program Manager bei BUZZN

Projektmanager bei OpenForests

Gründer der SRM Talks an der TU München

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