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Warum Mieter das Nachsehen haben

Aktualisiert: Juni 4

Photovoltaik (PV) könnte das Rückgrat der Energiewende sein, wenn der Ausbau denn tatsächlich konsequent umgesetzt würde.

Wenn Mieterstrom zusätzlich Erzeugung und Verbrauch intelligent und lokal zusammenbringt, ergeben sich weitere Vorteile: Eine nachhaltige und kostengünstige Stromversorgung, bei der auch die Mieter an der Energiewende teilhaben können. Eine lokale Wertschöpfung, die die Akzeptanz für erneuerbare Energien um ein Vielfaches steigern kann. Kein großer Netzausbau, mit dem Strom von Norden nach Süden transportiert wird, sondern Erzeugung direkt auf dem eigenen Hausdach.

All diese Vorteile will die Isarwatt mit dem Mieterstrom-Tarif den Mieterinnen und Mietern verfügbar machen.


Die Bilanz des vor über zwei Jahren verabschiedeten Mieterstromgesetzes (MieterstromG) sieht allerdings mau aus. In dem Gesetz hat die Bundesregierung den Zubau solcher Modelle auf jährlich 500 Megawatt peak (MWp) begrenzt, was allerdings gar nicht nötig gewesen wäre: Nur ca. 1 % des Deckels wurde bisher ausgenutzt und lediglich 677 Anlagen in Betrieb genommen, die gemeinsam eine Leistung von rund 14 MWp erreichen [1].


Aber warum werden so wenige Mieterstrom-Projekte umgesetzt, wenn doch Mieter, Vermieter und Betreiber davon profitieren können?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von den aufwändigen Elektroinstallationen, die für eine saubere Abrechnung nötig sind, über eine zu geringe Förderung von Mieterstrom-Modellen bis zu rechtlichen Rahmenbedingungen, die Mieterstrom-Anbietern das Leben schwer machen. Hier ein Verzeichnis aller Hemmnisse.


Mieterstrom-Zuschlag ist zu niedrig


Mieterstrom wird mit einem Zuschlag für die Produktion jeder Kilowattstunde gefördert. Der Betreiber verdient also an dem Verkauf des Stroms an die Bewohner, an der EEG-Vergütung für eingespeisten Überschussstrom sowie am Mieterstrom-Zuschlag. Dem gegenüber stehen die Projektkosten für Planung, Bau und Inbetriebnahme der Anlage sowie laufende Kosten für Messstellenbetrieb, Abrechnung und Vertrieb.


Die geringen Ausbauzahlen lassen es bereits vermuten und die Fachleute sind sich weitestgehend einig: Der Mieterstromzuschlag ist zu niedrig, als dass sich Mieterstrom-Projekte flächendeckend durchsetzen können [2]. Auch das zuständige Bundeswirtschaftsministerium hat in einem Bericht festgestellt, dass „die aktuellen Rahmenbedingungen nicht ausreichen, um Mieterstrom als Segment eines zusätzlichen PV-Zubaus dauerhaft zu etablieren und die vorhandenen Potenziale zu erschließen.“ [3] Der Zuschlag liegt 2019 je nach Anlagengröße bei 0,17 bis 2,3 ct/kWh und wird mit der vorgesehenen Degression weiter sinken. Es gibt allerdings Hoffnung: Der zuständige Minister Altmaier hat zugestimmt, Änderungen am Mieterstromgesetzes auf den Weg zu bringen [4].


Mieter werden benachteiligt


Die Mieterstrom-Förderung ist allerdings nicht das einzige Problemfeld, das die Betreiber beschäftigt. Bei der EEG-Vergütung werden Mieterstrom-Anbieter vom Gesetzgeber sogar doppelt benachteiligt:


Der Gesetzgeber verpflichtet Anbieter von Mieterstrom wie die Isarwatt auf den selbst erzeugten und vor Ort verbrauchten Strom die volle EEG-Umlage zu bezahlen. Somit ist Mieterstrom das einzige Modell, bei dem eine hundertprozentige Abgabepflicht auf Eigenverbrauch besteht.


Zum Vergleich: Errichtet ein Eigenheimbesitzer eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach seines Hauses, so muss er oder sie für den selbsterzeugten Strom keine EEG-Umlage bezahlen. Ist die Anlage größer als 10 kWp werden nur 40 % der EEG-Umlage fällig.

Hier werden Mieter im Vergleich zu Eigenheimbesitzen klar benachteiligt, obwohl das Mieterstromgesetz grade aus dem Grund eingeführt wurde, alle Bürgerinnen und Bürger an der Energiewende teilhaben zu lassen.


Auch beim Zukauf aus dem Stromnetz ist die Isarwatt als Mieterstrom-Anbieter verpflichtet die volle EEG-Umlage zu entrichten. Der Bezug aus dem Netz ist nötig, um die Versorgung des Hauses auch im sonnenarmen Winter oder in der Nacht sicherzustellen. Komplette Energieautarkie wäre zwar möglich, ist aber äußerst kostspielig. Deswegen ist Mieterstrom immer eine Mischung aus lokal am Haus produzierten Strom sowie Bezug aus dem öffentlichen Netz.


EEG-Umlage steigt um 5,5 %


Die EEG-Umlage wird im Jahr 2020 ansteigen und bewegt sich auf konstant hohem Niveau. Der Verbraucher wird 2020 knapp 6,8 ct/kWh für die EEG-Umlage bezahlen müssen, ein Anstieg um 5,5 % gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg hat verschiedene Gründe. Er wurde einerseits damit begründet, dass etliche Offshore-Windparks in Betrieb genommen wurden, die Anrecht auf einen hohen Vergütungssatz besitzen [5]. Andererseits stellen die anhaltend niedrigen Preise an der Strombörse ein Problem für die Energiewende dar. Der Bund erstattet dem Betreiber einer Wind- oder Solaranlage die Differenz zwischen dem Preis, der durch die Vermarktung an der Börse erzielt werden kann und dem Anspruch, der im EEG festgelegt ist. Das bedeutet, je niedriger der Preis an der Leipziger Strombörse, desto größer die Lücke, die der Stromkunde mit der EEG-Umlage schließen muss.

Entwicklung der EEG-Umlage (Quelle: netztransparenz.de)

Kohle drückt den Strompreis


Aber warum sind die Börsenstrompreise überhaupt so niedrig? Das ist hauptsächlich auf unflexible, konventionelle Erzeuger, wie z.B. Kohlekraftwerke zurückzuführen. Ist beispielsweise das Strom-Angebot an einem sonnen- und windreichen Mittag hoch, so sind Kohlekraftwerke nicht in der Lage darauf zu reagieren und ihre Produktion herunterzufahren. Die Folge: Die Börsenstrompreise sinken – zeitweise liegen sie sogar im negativen Bereich. Das bedeutet, Kraftwerksbetreiber bezahlen dafür, dass ihr Strom abgenommen wird [6]. Die Kohleverstromung wird zusätzlich durch niedrige Brennstoffkosten sowie einem geringen Preis für Emissionszertifikate begünstigt und verdrängt so klimafreundlichere Alternativen aus dem Markt.


Erschwerend kommt hinzu, dass die Last der EEG-Umlage nicht gerecht verteilt ist. Große, stromintensive Unternehmen haben die Möglichkeit sich von der Zahlung der EEG-Umlage teilweise befreien zu lassen. Über 2000 Unternehmen, die rund ein Fünftel des gesamten deutschen Stromverbrauchs ausmachen, profitieren von der sogenannten „besonderen Ausgleichsregelung“. [7] Das bedeutet, die Hauptlast tragen vor allem private Endverbraucher und mittelständische Unternehmen. Die EEG-Umlage wir zu knapp der Hälfte von (mittelständischen) Unternehmen getragen, rund ein Drittel entfällt auf die Privathaushalte und der Rest zum größten Teil auf öffentliche Einrichtungen [8].


Quellen:

[1] Bundesnetzagentur (Juli 2019)

[2] Verbraucherzentrale Bundesverband (September 2019)

[3] Bundesminiterium für Wirtschaft und Energie

[4] Energate messenger (Juni 2019)

[5] pv magazine (Oktober 2019)

[6] Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (August 2013)

[7] pv magazine (August 2018)

[8] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Oktober 2018)

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